Benny' Lounge mit Marvin Frey
Jazz, Schweiß und 150 Mundstücke: Unser Abend in Benny’s Lounge
Wir waren mal wieder unterwegs! Diesmal hat es uns in die Welt des Jazz verschlagen – genauer gesagt zu „Benny’s Lounge“. Ich war zum zweiten Mal dort, meine Frau war zum ersten Mal mit. Die hatte noch überlegt sich einen schönen Abend zu Hause zu machen. Da unser jüngster Sohn aber diesmal nicht konnte, hat Sie mich nicht allein lassen wollen. Was ein Glück, ich glaube jetzt wird Sie immer mitkommen. Das tolle an Benny’s Lounge ist, das es nicht nur um die Musik geht, sondern man auch mal hinter die Kulissen blicken darf. Und ich sag’s euch, der Gast des Abends, der Trompeter Marvin Frey, war eine echte Entdeckung.
Der „Heiße Stuhl“ und die Sache mit dem Perfektionismus
Der Abend startete direkt mit einer Schnellfragerunde, dem „heißen Stuhl“. Marvin musste in 90 Sekunden Farbe bekennen. Ein paar Fakten, die hängen geblieben sind: Er ist Jahrgang 1993, liebt Gravel-Bike-Fahren (die perfekte Mischung aus Rennrad und Mountainbike) und ist – Überraschung – ein absoluter Perfektionist.
Aber das Verrückteste? Der Typ besitzt circa 150 Trompeten-Mundstücke, für 8 Trompeten! Er sammelt sie nicht nur, er bezeichnet sie sogar als seinen nützlichsten Gegenstand. Da haben wir uns nur kurz angeschaut und gelacht – das ist mal eine Ansage. Wenn Marvin sich was wünscht, dann dass sein Smartphone einfach mal „aus“ sein könnte. Sympathisch, oder?
Von Lego-Steinen zur großen Bühne
Ehrlich gesagt, wir fanden es total spannend zu hören, wie er zur Musik kam. Marvin kommt aus einer Familie, in der Musik so normal war wie das Frühstücksei. Während er als Kind mit Lego spielte, haben seine Eltern nebenan Duette gespielt. Mit 16 wurde die Trompete dann vom Hobby zum Ernst des Lebens. Später ging es zum Studium nach Maastricht und Essen.
Zwischen Smoking und Straßenstaub: Glenn Miller & Moop Mama
Was uns am meisten beeindruckt hat, ist Marvins Vielseitigkeit. Er spielt im legendären Glenn Miller Orchester – im Smoking, alles sehr schick und traditionell. Er erzählte eine köstliche Anekdote von einem Kollegen, dem bei der Verbeugung die Hose riss und der die Tour einfach mit Panzerband auf dem Hintern zu Ende spielte. „Trompeter sitzen immer in der letzten Reihe“, meinte er trocken, „da sieht das keiner“.
Und dann der krasse Gegensatz: Moop Mama. Das ist eine „Urban Brass Band“, die auch mal mit dem Fahrrad durch die Stadt tourt und einfach dort spielt, wo es ihnen gefällt. Marvin beschreibt den Sound so: > „Es ist schon sehr laut auf jeden Fall und sehr groovig. Also der Groove steht immer ganz vorne.“
Zehn Leute, eine Rapperin, zwei Schlagzeuger – da kommt eine ordentliche Druckwelle von der Bühne.
Benny’s Briefkasten
In der Rubrik „Benny’s Briefkasten“ ging es dann ans Eingemachte – das Publikum durfte Fragen auf Zetteln einreichen, und Benny hat keine ausgelassen. Es wurde herrlich skurril: Von der Frage nach Marvins Socken (ganz unspektakulär: grau-schwarze Merinowolle) bis hin zur Theorie, ob man die zirkuläre Atemtechnik auch beim Küssen gewinnbringend einsetzen kann. Auch das Rätsel um die fehlenden Notenständer wurde gelüftet: Die Band spielt nicht auswendig, aber Benny schreibt das Layout seiner „Sheets“ so genial, dass man sie nur einmal aufklappen muss und während des Songs nicht mehr umblättern muss. Besonders hängen geblieben ist die Story vom Flughafen in New Orleans, wo Marvin 2017 völlig spontan bei einer Brassband eingestiegen ist, weil er dort zufällig einen alten Bekannten traf. Das zeigt mal wieder: Im Jazz passiert das Beste oft ungeplant. Zum Schluss gab’s noch einen echten Experten-Tipp: Wer mit Jazz bisher fremdelt, sollte mal in das Album „Till Brönner“ (das mit dem roten Cover) reinhören – laut Marvin der perfekte Einstieg.
Ein Blick in die Zukunft
Zum Abschluss wurde es fast ein bisschen philosophisch. Auf die Frage, welchen Rat er seinem jüngeren Ich geben würde, antwortete er: > „Ich glaube, man darf auch einfach mal ein bisschen gelassener in manchen Situationen sein, ein bisschen optimistischer vielleicht auch in die Zukunft schauen.“
Heute erdet ihn vor allem sein Job als Lehrer am Landesmusikgymnasium in Montabaur, wo er junge Talente begleitet.
Fazit: Es war ein Abend voller Kontraste. Von New Orleans bis hin zu den feinen Klängen in Benny’s Lounge. Wir sind mit viel Inspiration nach Hause gefahren. Musik ist eben mehr als nur Töne – es ist Leidenschaft, ein bisschen Chaos und manchmal eben auch ein Streifen Panzerband.
Links
Informationen zu Benjamin Steil: [Bennys Lounge - Benjamin Steil](https://www.benjaminsteil.de/bennys-lounge/)
Instagram von Marvin Frey: [Marvin Frey (@marvin.frey) • Instagram-Fotos und -Videos](https://www.instagram.com/marvin.frey/?hl=de)
[Moop Mama](https://moopmama.com/)
youtube Kanal von Benny’s Lounge [ Benjamin Steil](https://www.youtube.com/@benjaminsteil2863)
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